Kommentar

Gabriel kassiert ab

Walter Serif zum Job des Ex-Ministers bei Siemens/Alstom

Sigmar Gabriel befolgt die Regeln – dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack. Dass der ehemalige SPD-Wirtschaftsminister in den Verwaltungsrat von Siemens/Alstom einziehen will, ist nicht verboten. Der Kurzzeit-Außenminister hält sich aber nur an die Mindest-Schamfrist von einem Jahr, gesetzlich wären 18 Monate möglich gewesen. Pikant auch, dass Gabriel 2014 als Minister eine Übernahme von Teilen der Energiesparte von Al-stom durch Siemens – allerdings vergeblich – befürwortete. Gleichwohl stellt sich die Frage: Wird Gabriels Einsatz belohnt?

Ein solcher Verdacht entsteht zwangsläufig, wenn Politiker wie Alt-Kanzler Gerhard Schröder lukrative Jobs in der Wirtschaft übernehmen. Auch Gabriel, der sich früher über die „Gier“ der Manager ausließ, will seine Expertise nach der Fusion der zwei führenden Bahn-Hersteller natürlich nicht unentgeltlich einbringen. Sein Insistieren darauf, er habe sich korrekt verhalten, klingt ziemlich bemüht.

Vielleicht liegt es auch daran, dass der Seitenwechsel relativ selten ist. Auch deshalb, weil sich dieser für die Wirtschaft nicht immer auszahlt. Der Mannheimer Industriedienstleister Bilfinger ist zum Beispiel mit dem ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch alles andere als glücklich geworden. Manager und Politiker leben in verschiedenen Welten – manchmal ist das auch besser so.

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