Kommentar

Ganz schlechter Stil

Hagen Strauß zu den US-Drohungen, die Truppen aus Deutschland zu verlegen: Trumps Botschafter hat in der Sache recht, im Ton vergreift er sich

Kurz vor Donald Trumps Europareise hat dessen verlängerter Arm in Deutschland wieder die Keule rausgeholt. Unverhohlen droht Botschafter Grenell mit dem Abzug der US-Truppen und ihrer Verlegung nach Polen, falls die Bundesregierung bei der Erhöhung des Wehretats nicht endlich spurt. Trump selbst hat dies auch schon getan.

Eine Baustelle mehr für die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. An den undiplomatischen Stil des US-Boys hat man sich in Berlin gewöhnt. Denn es ist ja nicht das erste Mal, dass Grenell seinen Job als Botschafter missversteht – er poltert, anstatt im Hintergrund zu versuchen, im Gastland etwas zu bewirken. Mal geht es gegen Wirtschaftsminister Altmaier und die mögliche Einbindung der Chinesen beim Aufbau des 5-G-Netzes, mal gegen deutsche Unternehmen und deren Beteiligung an der Ostseepipeline.

Und immer gegen die Regierung, wenn es um die Höhe des Wehretats geht, so dass FDP-Vize Kubicki schon einmal gefordert hat, Grenell zur „Persona non grata“ zu erklären. Das war reichlich absurd. Denn in der Sache hat der Botschafter leider recht. Deutschland kommt seinen Nato-Verpflichtungen nicht nach. Aber die Art, wie die US-Regierung den deutschen „Partner“ daran erinnert, hat etwas von Erpressung. Das ist der Punkt. So geht man mit Verbündeten nicht um.