Kommentar

Gefährliche Fallhöhe

Archivartikel

Tobias Käufer zum Wahlergebnis in Mexiko

Andrés Manuel López Obrador (64) ist am Ziel seiner politischen Träume. Erstmals ist mit ihm ein Linkspolitiker an die Spitze Mexikos gewählt worden. Mit seinem Wahlbündnis hat er die politische Landschaft aufgemischt. Es ist ein buntes Völkchen, das sich unter dem Deckmantel der „Bewegung der nationalen Erneuerung“ (Morena) tummelt. Linksradikale Gruppen, Gewerkschaften, gemäßigte soziale und ökologische Bewegungen – von allem etwas.

Der strahlende Sieg der gerade mal vor vier Jahren gegründeten Bewegung zeigt einmal mehr, was möglich ist, wenn sich ein Großteil der Bevölkerung von den etablierten Parteien abwendet und einer neuen Initiative anschließt.

Genau das ist aber auch das Problem des künftigen Präsidenten: Ein Großteil seines Erfolges speist sich einerseits aus der Unzufriedenheit mit der alten Regierung und andererseits aus den Versprechen, die er abgegeben hat: die Armut bekämpfen, das Land sozial gerechter machen, die Gewalt reduzieren, eine Null-Toleranz-Politik gegen Korruption und Straflosigkeit durchsetzen. Die Menschen trauen das dem erfahrenen Mann, der bereits das riesige Mexiko-Stadt regierte, zu. Allerdings rührte die Popularität aus der komfortablen Position der Opposition der letzten Jahre. Künftig wird López Obrador nicht mehr fordern können, sondern liefern müssen. Die Erwartungshaltung, dass unter ihm alles besser wird, ist riesig. Und damit auch die Fallhöhe.

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