Kommentar

Gefährliche Hetze

Archivartikel

Was sich der US-Präsident von dem Treffen mit dem Verleger der „New York Times“ A.G. Sulzberger im Oval Office versprach, bleibt sein Geheimnis. Wie er über Journalisten im Allgemeinen und das US-Leitblatt im Besonderen denkt, ließ er die Welt via Twitter wissen, als er selber die erbetene Vertraulichkeit der Begegnung brach. Die seien Produzenten und Publizisten von Fake News (Falschnachrichten) und verdienten es, als „Volksfeinde“ bezeichnet zu werden.

Der 37-jährige Verleger kuschte nicht vor dem mächtigsten Mann der Welt. Er warnte Donald Trump eindringlich davor, was passiert, wenn aus seinen aufrührerischen Worten gegen die Medien brutale Taten gegen Reporter werden. Ganz besonders reibt sich der Verleger an dem Wort „Volksfeind“.

Dass Trump damit nun regelmäßig gegen die Vertreter der freien Medien hetzt, ist, um es im Twitter-Duktus des Präsidenten zu sagen, traurig. Und gefährlich, wie die Wächter von „Reporter ohne Grenzen“ warnen. Demnach fielen die USA wegen der fortgesetzten Angriffe des Präsidenten auf dem Pressefreiheits-Index auf Platz 45 zurück. Den Ton für Trumps Umgang mit Journalisten setzte der ehemalige Chefstratege des Präsidenten, Steve Bannon. Der schärfte ihm ein, dass die Medien die wahre Opposition seien. Vor allem diejenigen, die der Öffentlichkeit harte Fakten liefern. Denn nichts scheuen Menschen wie Trump mehr als Transparenz. Sulzbergers kraftvoller Widerspruch kommt genau zur richtigen Zeit.

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