Kommentar

Gefährliche Lücke

Tatjana Junker über den Schutz von Crowdworkern

Wann muss eine Internetfirma einen Menschen, dem sie über eine Online-Plattform Aufträge vermittelt, fest anstellen? Mit dieser Frage wird sich vermutlich bald das oberste deutsche Arbeitsgericht beschäftigen – und das ist auch dringend nötig.

Die Zahl der Menschen, die ihr Geld als sogenannte Crowdworker über Mini-Aufträge im Internet verdienen, steigt stetig. Gleichzeitig fehlt für diese Form von Beschäftigung, die zunehmend an Bedeutung gewinnt, immer noch ein klarer rechtlicher Rahmen: Das deutsche Arbeitsrecht ist nach wie vor vor allem auf die analoge Wirtschaftswelt zugeschnitten. Mindestlohn, Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – das alles gilt für die Digitalarbeiter nicht, weil sie arbeitsrechtlich wie Selbstständige behandelt werden. Ob und inwieweit das tatsächlich angemessen ist, bleibt höchst umstritten.

Gewerkschaften warnen bei dem Thema deshalb zu Recht schon lange vor einer gefährlichen Lücke: Das Internet darf nicht zum rechtsfreien Raum werden, in dem Erwerbstätige der Willkür von Unternehmen schutzlos ausgeliefert sind. Das ist nicht nur für den einzelnen Betroffenen wichtig. Wenn Firmen dazu verführt werden, immer mehr Tätigkeiten an Solo-Selbstständige im Internet auszulagern, weil sie so soziale und arbeitsrechtliche Mindeststandards umgehen können, höhlt das auch unsere sozialen Sicherungssysteme aus.