Kommentar

Thomas Spang warnt davor, dem Coronavirus in Amerika freien Lauf zu lassen. Leidtragende wären die Alten, Kranken und Schwachen.

Gefährlicher Kurs

Thomas Spang warnt davor, dem Coronavirus in Amerika freien Lauf zu lassen. Leidtragende wären die Alten, Kranken und Schwachen.

Natürlich haben Wissenschaftler das Recht, den Konsens ihrer Kollegen infrage zu stellen. Davon lebt der Erkenntnis-Fortschritt. Aber es ist keine gute Idee, darauf öffentliche Gesundheitspolitik zu gründen. Schon gar nicht inmitten einer außer Kontrolle geratenen Pandemie, die in den USA auf eine „dritte Welle“ zusteuert und bereits das Leben von mehr als 215 000 Menschen gekostet hat. Donald Trump tut genau das. Er versucht, sein tödliches Versagen im Umgang mit Covid-19 als irgendwie vernünftig erscheinen zu lassen.

Das Weiße Haus stürzt sich auf drei Außenseiter in ihrem Fachgebiet, deren Ideen von Kollegen als „gefährlich“ und „unmoralisch“ eingeschätzt werden. Dieselbe Taktik verfolgte der wissenschaftsfeindliche „No-Nothing“-Präsident übrigens auch beim Klimawandel. Dort berief er sich auf eine Handvoll Forscher, die dem Konsens von 99 Prozent der Experten widersprechen.

In beiden Fällen sind die Konsequenzen potenziell tödlich – mit dem Unterschied, dass sie bei der Pandemie schneller zutage treten. Indem Trump dem Virus freien Lauf lässt, testet er die Theorie kurz vor den Wahlen in Echtzeit an der eigenen Bevölkerung aus. Die Leidtragenden sind die Alten, Kranken und Schwachen, die dem Risiko dieser gefährlichen Politik voll ausgesetzt sind.

Schon jetzt braut sich in den Meinungsumfragen eine Revolte der Grauhaarigen zusammen. Am Wahltag könnte Trumps Covid-19-Wahnsinn wie ein Bumerang zurückkommen. Denn kaum jemand lässt sich gerne zum Versuchskaninchen der Ideen einer obskuren Minderheit machen.

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