Kommentar

Gefangen im Krisenmodus

Archivartikel

Marc Stevermüer zur Situation von Werder Bremen

Es gibt Tage, an denen die Reaktion wichtiger ist als das Resultat: Doch bei Werder Bremen stimmte gegen Bayer Leverkusen weder das eine noch das andere. Nach zweimonatiger Corona-Pause präsentierten sich die Norddeutschen beim 1:4 gegen die Werkself genauso wie im Februar oder März. Kurzum: Die Reaktion blieb aus, Werder befindet sich weiterhin im Krisenmodus – und so langsam werden die Zweifel am Bundesliga-Klassenerhalt größer.

Denn es war ja nicht nur das Duell mit Leverkusen, das einer schockierenden Begegnung mit der Realität gleichkam. Es laufen in der gesamten Saison schon ganz viele Dinge schief. Zweitschlechtester Angriff, schwächste Abwehr, seit zehn Heimspielen sieglos – hin und wieder sollte man auch Statistiken trauen. Denn an ihnen lässt sich objektiv messen, wie gut – oder eben schlecht – eine Mannschaft ist.

Florian Kohfeldt, vor einem Jahr noch gefeiert und neben Julian Nagelsmann als der große Trainer der Zukunft bezeichnet, wird gerade ziemlich heftig von der Gegenwart eingeholt und findet einfach keine Lösungen für die umfassenden Probleme. Keine Frage: Seine Analysen klingen einleuchtend. Aber seine Worte werden auch immer mehr zu einer Begleitmelodie des Niedergangs.

Über- und unterschätzt

Stets fühlen sich die Bremer bestens vorbereitet. So wie ein Schüler vor der Klassenarbeit, um dann aber entsetzt festzustellen, dass in der Prüfung plötzlich die falschen Fragen kamen. Oder anders ausgedrückt: Die mit Europapokalambitionen in die Saison gestarteten Norddeutschen haben sich selbst über- und manch ein Problem unterschätzt. Max Kruse, der Tore garantiert und mit seiner Abgezocktheit hilft, wurde abgegeben und fehlt dieser Mannschaft ebenso wie ein Stabilitätsanker im Mittelfeld.

Erfrischend offensiv sollte es zugehen, das hörte sich erst einmal gut an. An defensiver Ordnung und Struktur mangelt es allerdings nun. Doch schon immer war die Abwehr die Basis, um erfolgreich zu sein – und nur mit einer funktionierenden Defensive wird Werder noch für die Wende sorgen, was auch besonders spannend mit Blick auf die Personalie Kohfeldt ist. Denn die Qualität eines Trainers zeigt sich besonders dann, wenn er auf eine Krise reagieren, umdenken und mit Unvorhergesehenem umgehen muss.

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