Kommentar

Gefühl der Gemeinschaft

Wolfgang Mulke zum Fußballschauen in Betrieben

 

Gelegentlich herrscht der Eindruck, dass der Mensch inzwischen für die Wirtschaft da ist – und nicht umgekehrt. Die Anforderungen an Beschäftigte steigen. Zeiten für kleine, aber gesunde Auszeiten während des Tages werden durch eine immer perfektere Organisation der Abläufe und eine permanente Kontrolle der Leistungen weniger. Aus Arbeitgebersicht mag das gut begründet sein, der Wettbewerb ist hart. Und doch ist es eine kurzfristige Sichtweise.

Denn der Erfolg eines Unternehmens hängt auch von der Motivation und Bindung der guten Leute an eine Firma ab. Auch davon, dass ihre Leistungsfähigkeit lange Zeit erhalten bleibt. Fachkräfte in der IT-Branche können längst in der Pause im Büro kickern oder anderweitig den Kreativtank wieder auffüllen. Warum nicht auch andere? Eine gute Möglichkeit dazu können Arbeitgeber während der Fußball-WM nutzen. Sie sollten ein Auge zudrücken, wenn wichtige Spiele in die Arbeitszeit fallen und den Fernseher einfach laufen lassen. Davon wird kein Unternehmen in seiner Existenz bedroht.

Dem Betriebsfrieden, der Bindung der Arbeitnehmer und der Motivation, in der restlichen Zeit alles gut zu erledigen, hilft diese Großzügigkeit. Gerade in einer Zeit, in der jeder nur noch zusieht, irgendwie durchzukommen, ist eine Quelle der Gemeinsamkeit wertvoll.