Kommentar

Gefühlter Dauerzustand

Frank Schumann zum ausgefallenen Schlussverkauf

Der Handel gehört zu jenen Branchen, die von der Corona-Krise am heftigsten gebeutelt werden. Allerdings steckten innerstädtische Textilgeschäfte schon seit längerem in der Krise – sowohl der Onlinehandel als auch der scharfe Verdrängungswettbewerb der Ketten untereinander setzten ihnen zu. Die Insolvenz in Eigenverwaltung von Appelrath Cüpper – prominent auch auf den Mannheimer Planken vertreten – ist ein Beispiel von vielen.

Dass der Sommerschlussverkauf, der Generationen von Käufern in die Geschäfte lockte, in dieser Situation ausfällt, muss aber nicht unbedingt ein Nachteil sein. Textilien zu Tiefstpreisen zu verschleudern mag über viele Jahre einen Anreiz für die Kunden gesetzt haben. Mittlerweile toben Rabattschlachten um den Verbraucher das ganze Jahr und in allen Branchen, billig einkaufen zu können ist gefühlter Dauerzustand. Vielleicht sollte auch der Textilhandel über eine selbstbewusstere Preissetzung nachdenken und es bei gezielten Rabatten belassen. Viele Verbraucher würden sich womöglich auf höhere Preise einlassen, wenn sie Qualität und Nachhaltigkeit erwerben. Denn ganz ehrlich: Wer kauft schon mit gutem Gewissen ein T-Shirt für drei Euro?