Kommentar

Gegensteuern nötig

Timo Schmidhuber über unterschiedliche Lebensumstände

Die Lebensumstände in Mannheims Stadtteilen sind ungleich. Diese Folgerung aus der Sterbealter-Statistik ist wenig überraschend. Der Sozialatlas, in dem unter anderem der Anteil der Sozialleistungsbezieher in den einzelnen Vororten aufgeführt ist, hat diese Erkenntnis bereits mehrfach belegt. Und auch ganz ohne Zahlen wird sie deutlich – man muss einfach in den einzelnen Stadtteilen spazieren gehen. Schon da sind die Unterschiede zu sehen.

So weit die schlechte Nachricht. Die gute ist, dass Rathaus, Politiker und Bürger das längst erkannt haben – und gegensteuern. In die Schönau beispielsweise haben Stadt und kommunale Wohnungsgesellschaft GBG in den vergangenen Jahren Millionenbeträge fließen lassen, um Häuser zu sanieren und Freizeitflächen zu gestalten. Auch auf dem Luzenberg tut sich viel. Ein privater Investor hat am Altrhein Häuser errichtet und den Vorort damit aufgewertet, jüngst hat sich ein Stadtteilverein gegründet, unter anderem mit dem expliziten Ziel, neue und alteingesessene Bewohner zusammenzubringen. 2021 soll außerdem – nach langem Kampf, aber immerhin – der Neubau für den Jugendtreff fertig sein. In der Neckarstadt-West schließlich gibt es tolle Pläne für die Neugestaltung des Neckarufers – die bislang allerdings leider erst teilweise umgesetzt sind.

Den Weg der Aufwertung von Stadtteilen „mit besonderen Problemlagen“, wie es im Amtsdeutsch heißt, muss Mannheim weitergehen. Gelegenheit dazu bietet sich gleich im Dezember, da stehen im Gemeinderat die Etatberatungen an, bei denen die Politiker über die Verteilung des Geldes für die nächsten zwei Jahre entscheiden. Sie dürfen dabei jene Stadtteile nicht vergessen, in denen es den Menschen nicht so gut geht. Vor allem auf der Hochstätt, die sehr isoliert liegt, besteht diese Gefahr. Dabei lässt sich manchmal mit vergleichsweise wenig Geld viel für bessere Lebensverhältnisse tun.