Kommentar

Geiz bleibt leider geil

Hagen Strauß zweifelt am „Grünen Knopf“

Keine Näherin in Bangladesch wird ab sofort mehr Lohn bekommen oder weniger als 16 Stunden arbeiten müssen, weil sich Entwicklungsminister Gerd Müller einen neuen Anzug mit grünem Knopf gekauft hat. Also das Produkt eines Herstellers, der sich am staatlichen Textilsiegel beteiligt und auf besondere Sozial- und Umweltstandards bei der Produktion in Niedriglohnländern achtet. Auch werden jetzt die T-Shirts für eine Handvoll Euro nicht aus dem Sortiment verschwinden. Das Elend in Vietnam, Indien, Kambodscha oder Rumänien, die Kinderarbeit und die moderne Sklaverei werden noch lange bestehen. Denn Geiz ist oft noch geil.

Also bleibt auch mit dem „Grünen Knopf“ alles beim Alten? Im Prinzip leider ja. Zahlreiche Marktführer der Textilbranche beteiligen sich gar nicht am Siegel, und wenn doch, gehört Nachhaltigkeit mitunter bereits zum Firmenprogramm.

Vor allem aber setzt Müller mit seinem Siegel auf Freiwilligkeit, wie schon bei seinem vor fünf Jahren ins Leben gerufenen Textilbündnis für bessere Arbeitsbedingungen, das sich seitdem dahinschleppt. Obwohl der Trend in Europa zu gesetzlichen Regelungen geht – so haben Frankreich und Großbritannien ihre Unternehmen längst verpflichtet, höhere Standards entlang ihrer weltweit verwobenen Lieferkette einzuhalten. Müller verzichtet darauf, auch wegen des Widerstands innerhalb der Union. Der „Grüne Knopf“ ist daher nur ein Anstoß, mehr nicht.

 
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