Kommentar

Gelassenheit gefragt

Steffen Mack über Kopftuch-Konflikte im Berufsleben

Die Vorkämpferin heißt Fereshta Ludin. Die muslimische Lehrerin klagte sich durch alle Instanzen, eine war 2001 der Mannheimer Verwaltungsgerichtshof. Dorthin wurde von Schülern nur ein Satz zu Ludins Kopftuch überliefert: "Sieht kacke aus, sonst kein Problem."

Diese Gelassenheit ist allen zu empfehlen, wenn die islamische Kopfbedeckung - wie jetzt an der medizinischen Fakultät - mal wieder für Konflikte sorgt. Dabei ist man längst weiter als zu Ludins Zeiten. Vielerorts im Berufsleben können Frauen selbstverständlich ihr Haar verhüllen. Weder aus dem Klinikum noch aus hiesigen Arztpraxen wurden jemals Schwierigkeiten bekannt. Zumal ja auch die Zahl muslimischer Patienten weiter zunimmt.

Umso geschockter ist eine Medizinstudentin, weil am Kopftuch ihr Praktikum bei einer Ludwigshafener Ärztin gescheitert sein soll (die jedoch beteuert, sie habe nur ein kleineres Tuch verlangt). Die Fakultät ist um diesen Konflikt nicht zu beneiden. Hoffentlich lässt er sich befrieden, indem man die Beteiligten an einen Tisch bringt und vermittelt.

Eines zeigt dieser Streit sehr deutlich: Kopftücher müssen bei jungen Muslima kein Zeichen der Unterdrückung sein. Im Gegenteil: Jene Studentin hat sich dazu eigenständig entschlossen und fordert es als ihr gutes Recht ein. Damit argumentiert sie quasi feministisch (auch wenn da Alice Schwarzer ausflippen würde).

Entscheidend ist, heute wie einst bei Fereshta Ludin, was unter dem Kopftuch vor sich geht.

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