Kommentar

Geld gegen Qualität

Archivartikel

Peter Reinhardt begrüßt den Pakt zur Kita-Förderung

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, heißt es in einem alten Sprichwort. Aber geschenkt gibt es bei Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann nichts. Für das zusätzliche Geld, das die Kommunen und freien Kita-Träger von der Landesregierung bekommen, will sie auch bei der Qualität mitreden. Das ist bei der gezielten Sprachförderung im Vorschulalter allemal sinnvoll. Ein Drittel aller Kinder haben größeren Förderbedarf – und keineswegs nur Kinder aus zugewanderten Familien. Längst sind sich die Bildungsexperten einig, dass Defizite möglichst vor der Einschulung beseitigt sein müssen. Deshalb ist die Mitwirkungspflicht der Eltern durchaus vertretbar. Eigentlich sollten sich Väter und Mütter freiwillig um die Zukunft ihrer Kinder kümmern. Falls sich die Dinge so nicht bessern, muss das Land die Förderangebote für die Kinder verpflichtend machen.

Weniger logisch ist Eisenmanns Pakt für gute Betreuung in Sachen Nachwuchsförderung. Allein die Schaffung von mehr Plätzen in der dualen Ausbildung sorgt ja nicht automatisch für mehr Interesse an dem Beruf. Weil diese Variante für angehende Erzieher interessanter ist, könnte die Nachfrage in der klassischen Schulausbildung sinken. Und gegenläufig wirkt der Wunsch der Kommunen, vorübergehend die Gruppen zu vergrößern. Weil Erzieher fehlen, müssen Eltern in vielen Orten lange auf einen Kita-Platz warten, obwohl dieser ihnen garantiert ist. Die Gerichte schlagen sich regelmäßig auf die Seite von Eltern, wenn die Schadensersatz verlangen. Allerdings ist ein Platz in einer größeren Gruppe immer noch besser als gar kein Platz.

 
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