Kommentar

Gelungen, aber kein Vorbild

Archivartikel

Konstantin Groß zum Ende der Badesaison 2020

Die Freibadesaison 2020 endet. Als eine ganz besondere wird sie in Erinnerung bleiben. Zum Schluss kann bilanziert werden: Es war richtig, die Bäder nicht komplett zu schließen, aber auch, sie lediglich unter sehr strengen Auflagen zugänglich zu machen.

Dass die Freibäder in Schriesheim, Ladenburg und Heddesheim trotz Corona geöffnet wurden, das ist keineswegs selbstverständlich. Brühl etwa entschied sich für eine Schließung; der Aufwand zum Betrieb unter Corona-Bedingungen sei personell und finanziell nicht zu schultern.

Schriesheim, Ladenburg und Heddesheim entschieden sich anders. Auch wenn die Bedeutung der Aerosole nicht geklärt war und ist: Im Freien schien das Risiko noch beherrschbar, wenn strenge Regeln eingehalten werden. Dies jedoch mit Folgen, wie Brühl sie zu Recht vorhersah, vor allem in finanzieller Hinsicht.

Sozial unerlässlich

Und doch war diese Öffnung richtig. Freibäder sind eben nicht nur Freizeitspaß; sie sind auch Sozialpolitik. Kaum eine Corona-Maßnahme hätte die Gesellschaft so sehr weiter sozial gespalten wie die Schließung der Freibäder – in solche, die sich als Ersatz im heimischen Garten ein eigenes Schwimmbecken aufstellen oder anlegen (und damit dieses Jahr für einen nie gekannten Auftragsboom in dieser Branche sorgten), und solche, die in Mietshäusern wohnen und dies weder finanziell noch rein praktisch tun können.

Zudem sind die Schattenseiten von Freibadschließungen un-übersehbar. Die Badewilligen bleiben ja – auf Grund der Reisewarnungen sogar in noch größerer Zahl als sonst. Wo sollen sie hin bei 38 Grad wie im August? Den Ausweg bieten unkontrollierte Baggerseen und Flussufer; die Folgen für Verkehr, Müll und Sicherheit waren entsprechend.

Sind die Schwimmbad-Regeln also Beweis, dass sich auch Feste oder gar Veranstaltungen drinnen organisieren lassen? Nein. Es waren Regeln für ausgedehnte Freiflächen und – im Unterschied zu Festen – für Freizeitspaß ohne viel Alkohol, der das Einhalten von Regeln ja erschwert. Die Freibäder taugen daher nicht als Argument für andere Aktivitäten.

 
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