Kommentar

Gemacht für Hollywood

Christian Rotter zum Stanley-Cup-Triumph der St. Louis Blues

Sie existierten einfach, mehr nicht. 52 Jahre lang galten die St. Louis Blues in der NHL als Synonym für Mittelmaß. Das hat sich jetzt grundlegend geändert: Zum ersten Mal wird der Name des Clubs aus Missouri auf dem Heiligen Gral der internationalen Eishockey-Szene verewigt.

Dass der Triumph verdient ist, steht außer Frage: Wer noch im Januar das Tabellenende ziert, sich zusammenrauft, in den Play-offs besteht und im entscheidenden siebten Finalspiel die Nerven behält, ist aus einem besonderen Holz geschnitzt. Dazu hat St. Louis – wie die finnische Nationalmannschaft bei der WM in der Slowakei – gezeigt, dass mit großem Teamgeist alles möglich ist. Im Vergleich zu manchem NHL-Konkurrenten fehlt bei den Blues der ganz große Superstar.

Das bedeutet nicht, dass sich beim Stanley-Cup-Sieger keiner in den Vordergrund gespielt hätte: Ryan O’Reilly wandelte mit vier Toren in vier aufeinanderfolgenden Finalspielen auf den Spuren von Wayne Gretzky, Torhüter Jordan Binnington absolvierte seine erste NHL-Saison überhaupt. Sie sind die Hauptdarsteller eines fast kitschigen Märchens, das gemacht ist für Hollywood. Das lässt die NHL-Bosse kurz vergessen, dass – wieder einmal – alle kanadischen Clubs versagt haben, die hohe Einschaltquoten garantiert hätten.