Kommentar

Gentechnik für Scheuer

Hannes Koch über Lkw-Assistenten als Schutzmaßnahme

 

Jeder moderne Pkw verfügt mittlerweile über Sensorik, die einen Höllenlärm veranstaltet, wenn man zu nah an Hindernisse heranfährt. Bei Dutzend Tonnen schweren Lastwagen soll es ein Problem sein, serienmäßig Warnsysteme einzubauen, die Radfahrer und Fußgänger neben dem Fahrzeug schützen? Moderne elektronische Fahrassistenten können in solchen Fällen eine segensreiche Wirkung entfalten.

Bis vor Kurzem wurde das Problem einfach nicht wichtig genommen, trotz zahlreicher toter und schwer verletzter Radfahrer. Nun aber, da der Radverkehr in den vielen Innenstädten zunimmt, muss etwas passieren.

Gut, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer reagiert. Der Zweifel bleibt, dass mehr zum Schutz der schwachen Verkehrsteilnehmer möglich wäre. Zwar sagen viele Experten, die wesentlichen Kompetenzen für Rechtsänderungen in diesem Bereich lägen bei der Europäischen Union und das Verfahren sei langwierig.

Dennoch scheint die bundesdeutsche Straßenverkehrsordnung einen Ansatz zu bieten. Zumindest ist zu prüfen, ob die Städte nicht mehr Handhabe erhalten sollten, Lkw ohne Abbiege-Assistenten auszusperren. Zu große Duldsamkeit gegenüber der Fahrzeugindustrie gehört zum Erbgut des Verkehrsministeriums. Es wäre gut, wenn Scheuer hier etwas politische Gentechnik anwendete.

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