Kommentar

Geschäft mit Tücken

Archivartikel

Adelheid Wölfl lehnt eine Änderung der Grenzen im Kosovo ab, denn dies würde auch die Einheit Bosniens gefährden

Der Abschluss wird als „historische“ Einigung zwischen Serben und Albanern angepriesen und ein „neuer Pragmatismus“ eingefordert, Sorgen und Bedenken werden weggewischt. Der serbische und der kosovarische Präsident Aleksandar Vucic und Hashim Thaçi haben sich hinter verschlossenen Türen offenbar auf „Grenzkorrekturen“ geeinigt. Es geht darum, dass Gebiete im Nordkosovo, in denen Serben leben, zu Serbien kommen sollen, während Dörfer im serbischen Presevo-Tal, in denen Albaner leben, an den Kosovo kommen könnten.

Mit so einer Grenzänderung würde die internationale Gemeinschaft von zwei rechtlichen und politischen Grundsätzen abgehen, die vor allem von der EU ab 1991 auf dem Balkan eingehalten wurden: Die neuen Staatsgrenzen sollten den alten inneren Grenzen in Jugoslawien entsprechen und es sollten keine Grenzen nach ethnischen Kriterien gezogen werden, weil dies nur den völkischen Nationalismus anheizen würde.

Die vorgeschlagene Grenzänderung wäre ein Paradigmenwechsel, der noch dazu gefährlich wäre. Deshalb ist auch Deutschland dagegen. Denn Grenzänderungen spielen jenen Kräften auf dem Balkan in die Hände, die ohnehin monoethnische Staaten wollen und die multiethnischen, in denen sie leben, dauernd untergraben.

Auch die drei ehemaligen Hohen Repräsentanten für Bosnien-Herzegowina Paddy Ashdown, Christian-Schwarz-Schilling und Carl Bildt warnten deshalb gestern eindringlich vor so einer Grenzänderung. Sie fürchten,dass es dann auch in Bosnien zu einem Zerfall des Staates kommen könnte.