Kommentar

Geschichte bewahren

Peter W. Ragge hält ein Lapidarium für sinnvoll

In Stuttgart gibt es seit 1950 in einer historischen Parkanlage ein Lapidarium mit mehr als 200 Plastiken und Überresten von Bauten. In Mannheim wird das seit Jahrzehnten gefordert – vergeblich. Zwar hat schon 2011 die CDU-Gemeinderatsfraktion einen Antrag dazu eingebracht, im Mai 2015 folgte die SPD. Seither gab es viele weitere Vorstöße beider Parteien, zuletzt 2018. Aber es bewegt sich einfach nichts. Das Thema liegt in der Verwaltung auf einem großen Stapel – erkennbar ohne Priorität.

Natürlich kann man denken, dass es wichtigere Probleme als ein paar alte Steine gibt. Das ist auch richtig. Das Thema ist nicht lebensnotwendig – aber das sind andere Fragen auch nicht, zu denen das Rathaus dicke Konzepte verfasst. Es kann doch einfach nicht sein, dass man steinerne Zeugen der Stadtgeschichte verkommen lässt, dass sie in irgendwelchen Ecken von städtischen Bauhöfen auf der Friesenheimer Insel und in Käfertal oder in Kellern Emissionen und Witterung ausgesetzt sind, sie ungeschützt und unbeachtet vor sich hindümpeln. Das ist mangelnder Respekt vor der Leistung früherer Generationen.

Die Stadt sollte das Thema endlich angehen – und dann auch jene Teile des Alten Kaufhauses vor dem endgültigen Verfall bewahren, die man nun entdeckt hat und vielleicht vom privaten Eigentümer bekommen kann. Ob und wann es wirklich zu einem Neubau auf N 1 kommt, ist zwar völlig offen. Das neue Hilton-Hotel zeigt aber, wie gut die Integration alter Bauteile gelingt.