Kommentar

Wirtschaft

Gewagter Plan

Alexander Jungert zur Aufspaltung von Daimler

Die erstaunlich gute Jahresbilanz von Daimler tritt fast in den Hintergrund. Immerhin sind die Eckdaten schon bekannt gewesen, und – noch viel wichtiger – es steht die Aufspaltung des Konzerns bevor. Ein eigenständiges Unternehmen für Autos, ein eigenständiges Unternehmen für Lastwagen und Busse. Früher hat man in der Stuttgarter Zentrale noch oft gehört: Wir sind eine Familie. Jetzt kann die Trennung offensichtlich nicht schnell genug gehen. Der Plan ist gewagt.

Am Ende bleibt ein Autohersteller, der sich auf Luxusautos mit verschiedenen Antrieben konzentriert. Ein Sicherheitsnetz, das Fehltritte auffängt – wie bisher die Lkw-Sparte –, fehlt künftig. Beim Autohersteller Mercedes-Benz dürfte der Börsenwert nach der Aufspaltung erst einmal sinken. Eine Übernahme für Angreifer würde günstiger. Dieses Thema ist also grundsätzlich nicht vom Tisch, zumal Daimler anders als etwa BMW keine Familie im Rücken hat und der Streubesitz groß ist.

Diversifizierung galt noch bis vor ein paar Jahren als Nonplusultra. Unternehmen sollten sich auf mehrere Standbeine stellen, damit sie Schwächen ausgleichen können. Aktuell ist hingegen die Konzentration auf Kerngeschäfte „in Mode“. Siemens hat es Daimler vorgemacht: Medizin- und Energietechnik sind zu eigenständigen Unternehmen geworden. Was aber, wenn Renditeträume platzen? Zukäufe floppen? Corona wieder erstarkt? Das will momentan niemand hören.