Kommentar

Gewinn für beide Seiten

Archivartikel

Um den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung ist es in den vergangenen Jahren ruhig geworden. Das muss kein schlechtes Zeichen sein. Sicher nicht überall, aber an vielen Stellen läuft die Inklusion inzwischen geräuschlos. Trotzdem ist es wichtig, auf die Erfahrungen hinzuweisen, die die Realschule Feudenheim mit ihrer Klasse gesammelt hat, in der seit 2014 auch sechs Schüler mit einem geistigen Handicap sitzen. Denn das Projekt zeigt, dass Inklusion gelingen kann – und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

Viel hängt von den Lehrkräften ab. Um allen Jugendlichen gerecht zu werden, muss das Land die Klassen so ausstatten, dass ständig zwei Pädagogen die Klasse betreuen und sie so auch getrennt unterrichten können, wenn es angebracht ist. Dafür ist es durchaus sinnvoll, gleich mehrere Schüler mit einem Handicap in eine Klasse zu schicken: So summieren sich im Idealfall die einzelnen Lehrerstunden, auf die ein behinderter Schüler zur Unterstützung ein Anrecht hat, zu einer vollen Stelle für einen Sonderpädagogen. Vor allem aber funktioniert das Konzept nur, wenn die Lehrkräfte wie an der Feudenheim-Realschule die passende Überzeugung haben: Wenn sie bereit sind, sich verstärkt abzusprechen, hier und da zu improvisieren, den eigenen Beruf ein Stück weit neu kennenzulernen.

In Feudenheim lässt sich feststellen, dass die Inklusion beiden Seiten nützt. Die sechs behinderten Schüler haben am gesellschaftlichen Leben mit Gleichaltrigen teilgenommen. Dass auch Sonder- und Förderschulen sehr gute pädagogische Arbeit leisten, steht völlig außer Frage. Aber in diesem Fall war es den Eltern eben wichtig, ihren Kindern diese Erfahrungen zu ermöglichen.

Die nichtbehinderten Schüler wiederum haben etwas gelernt, womit viele ihrer Altersgenossen Schwierigkeiten haben: den Umgang mit Menschen, die anders sind und doch ganz besondere Qualitäten haben. In der Schule solle man fürs Leben lernen, heißt es sehr häufig. Und in ihrem Leben werden die Schüler noch lange von diesen Erfahrungen profitieren – genau wie von dem, was sie in Mathe, Deutsch und Englisch gelernt haben.

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