Kommentar

Gezündelt und provoziert

Nico Fricke über die Räumung der Baumhäuser im Hambacher Forst: Die NRW-Politiker hätten den Ausgleich mit den Umweltschützern suchen sollen

Der Hambacher Forst war bislang vor allem Anwohnern und ökologisch Interessierten ein Begriff. Durch die dreiste Vorgehensweise des nordrhein-westfälischen Bauministeriums gegen Umweltschützer, die das rund 200 Hektar große Waldstück nahe Kerpen seit Jahren besetzt halten, um es vor dem Braunkohleabbau zu bewahren, ist ihm nun bundesweite Aufmerksamkeit sicher. Mit der fadenscheinigen Begründung, den errichteten Baumhäusern fehle der Brandschutz, wurde gestern einer der größten und vermutlich teuersten Polizeieinsätze in der Geschichte des Landes angeordnet.

Ein Ende ist nicht abzusehen. Die Politiker haben es erst nicht zuwege gebracht, den schwelenden Konflikt zwischen Industrieinteressen und Umweltschützern zu entschärfen, nun legen sie auch noch ein diplomatisches Geschick an den Tag, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen.

Ja, das Vorgehen mag rechtlich abgesichert sein. Klug ist es nicht. Hier wird gezündelt und provoziert – und die Arbeit der Kohlekommission torpediert. Sie will noch dieses Jahr ihre Vorschläge für einen sozialverträglichen Kohleausstieg präsentieren. So lange hätte man auch im Hambacher Forst noch warten können. Doch die Verantwortlichen riskieren lieber eine Eskalation – um einen energiepolitischen Dinosaurier noch ein bisschen länger am Leben zu halten.

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