Kommentar

Gier frisst Hirn

Rolf Obertreis über das Urteil im Infinus-Prozess

Viereinhalb bis acht Jahre – die Urteile im Prozess um einen der größten Anlageskandale der Republik sind drastisch. Die Manager des Firmengeflechts von Infinus haben nach Überzeugung der Dresdner Richter jahrelang mindestens 22 000 Anleger mit dubiosen Finanzprodukten über den Tisch gezogen und um mindestens 312 Millionen Euro gebracht. Es ist der klassische Fall auf dem sogenannten grauen Kapitalmarkt, der weniger reguliert und vor allem kontrolliert wird als die Geschäfte von Banken und Versicherungen.

„Graue“ Anbieter versprechen Renditen deutlich über dem Marktniveau, werben mit Hochglanzprospekten und repräsentativen Büros. Und sie gewinnen regelmäßig Politiker und Prominente für ihre PR-Zwecke, auch mit großzügigen Spenden für soziale Einrichtungen. Oft zahlen die Investmentfirmen erst einmal verlässlich – Infinus etwa galt lange als Erfolgsgeschichte, bis das Kartenhaus 2013 zusammenbrach. Offensichtlich handelte es sich um ein klassisches Schneeballsystem, die versprochene Rendite von bis zu acht (!) Prozent für Sparer wurde mit dem Geld neuer Anleger finanziert.

Auch im Fall Infinus – wie in ähnlichen Fällen in der Vergangenheit – sind die geprellten Anleger freilich nicht unschuldig. Die versprochenen Renditen waren überhöht und unrealistisch, das vermeintlich clevere Finanzkonstrukt mit einem dichten Firmengeflecht dürften die Investoren kaum durchschaut haben. „Gier frisst Hirn“ heißt es in solchen Fällen. Für ihre Betrügereien wandern die Infinus-Manager hinter Gitter. Die Anleger zahlen für ihre Blauäugigkeit mit millionenschweren Verlusten. Natürlich sind Verbraucher- und Anlegerschutz wichtig – vor Gier aber gibt es keinen Schutz.

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