Kommentar

Glück im Unglück

Stefanie Ball lobt das deutsche Gesundheitswesen

Ein Intensivbett nur noch für diejenigen, die eine reelle Überlebenschance haben, alle anderen werden zum Sterben nach Hause geschickt? In Italien und Spanien müssen Ärzte und Pfleger seit vielen Tagen diese traurigen Entscheidungen treffen, eine schwere Last, ein furchtbares Dilemma, das es nicht geben sollte.

In Deutschland, so scheint es zumindest nach aktuellem Stand, sind die Krankenhäuser gut gewappnet, um der Virus-Welle standzuhalten. Es gibt, so betont die Deutsche Krankenhausgesellschaft, genug Intensivbetten, weitere wurden und werden geschaffen, Beatmungsgeräte sind vorhanden, werden reaktiviert, neu angeschafft, Schutzausrüstung ist da und sollte das Klinikpersonal weitestgehend vor Ansteckung bewahren. Auch die Finanzierung all dieser Maßnahmen dürfte mit dem neuen Entlastungsgesetz gesichert sein.

Trotz viel Jammerei in Vor-Corona-Zeiten über Zwei-Klassen-Medizin, lange Wartezeiten, Verschwendung von Geldern, ineffiziente Abläufe, Bürokratie dürfte wohl stimmen, was diverse Studien immer wieder gezeigt haben: Deutschlands Gesundheitssystem ist vielleicht nicht das beste der Welt, es gehört aber sicherlich mit zu den besten. Und das zahlt sich in der Krise aus. Die Intensivkapazität italienischer Kliniken liegt bei einem Drittel von dem, was deutsche Krankenhäuser in normalen Zeiten vorhalten.

Daneben hatte Deutschland aber auch einfach Glück. In Italien verbreitete sich das Virus schon unbemerkt seit Mitte Januar. Deutschland wurde durch den ersten Fall beim bayerischen Automobilzulieferer Webasto aufgeschreckt und war gewarnt. Dann nahm das Drama in Italien und Spanien seinen Lauf, vielleicht befördert durch Faktoren, die wir noch gar nicht kennen. „Unterschätzen Sie nicht die Gefahr“, mahnte ein Wissenschaftler aus Mailand. Die Italiener würden viel darum geben, wenn auch sie jemand rechtzeitig vor der unsichtbaren Gefahr gewarnt hätte.

 
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