Kommentar

Glück in der Krise

Stefan Vetter zum Konsum-Klima: Die Senkung der Mehrwertsteuer wirkt, trotzdem ist die Erholung sehr zerbrechlich

Selbst in der tiefsten globalen Krise scheint Deutschland noch so etwas wie eine Insel der Glückseligen zu sein. Corona richtet hier deutlich weniger Schäden als anderswo an, weil Gegenmaßnahmen im Großen und Ganzen rechtzeitig ergriffen und nicht kopflos gelockert worden sind. Der Arbeitsmarkt ächzt unter den Folgen der Pandemie. Aber durch die Nutzung des verbesserten Kurzarbeitergeldes kommen viele Beschäftigte bislang glimpflich davon. Zumal nicht wenige Unternehmen die Leistung der Bundesarbeitsagentur im Rahmen von Tarifverträgen aufstocken.

Alles in allem sind das nicht die schlechtesten Voraussetzungen für eine Wiederbelebung des privaten Konsums. Und glaubt man der aktuellen Forschung, dann gibt es hier tatsächlich Grund zur Hoffnung. Die seit Anfang Juli geltende Senkung der Mehrwertsteuer kommt sicher begünstigend hinzu. Notorische Skeptiker, die der teuren Maßnahme kaum Bedeutung für die Ankurbelung der Binnennachfrage beigemessen haben, sollten eines Besseren belehrt sein. Gut möglich allerdings auch, dass sich mancher Verbraucher mit dem Mund-Nasen-Schutz – eigentlich ein Shopping-Killer – inzwischen besser arrangiert hat als noch bis vor ein paar Wochen. Gewöhnungseffekte spielen da wohl eine Rolle. Und es ist ja kaum zu erwarten, dass der eher lästige Lappen in Kürze verzichtbar wird.

Die Frage bleibt allerdings, wie es nach dem Jahresende weitergeht. Bis dahin ist die Mehrwertsteuersenkung befristet. Heißt im Umkehrschluss: Zum 1. Januar steht eine Steuererhöhung ins Haus. Ob es wirklich so kommt, dürfte allerdings von der weiteren Entwicklung der Pandemie abhängen. Eine mögliche zweite Infektionswelle, gepaart mit Preiserhöhungen, könnte alle zarten wirtschaftlichen Pflänzchen gleich wieder zunichtemachen.