Kommentar

Gnadenlos kompromisslos

Archivartikel

Christian Rotter zur neuen Saison der Adler Mannheim

Sie stellten in der Hauptrunde der Deutschen Eishockey Liga einen Punkterekord auf, jagten durch die Play-offs und entthronten den Seriensieger aus München: Die Adler Mannheim spielten gleich im ersten Jahr unter Trainer Pavel Gross eine Saison für die Geschichtsbücher. Trotz des überwältigenden Erfolgs lehnte sich Gross nicht zufrieden zurück, sondern er trieb seine Vision vom modernen Eishockey kompromisslos voran.

„Schon eine Woche nach der Meisterschaft war das Buch 18/19 für mich zugeschlagen“, sagt der 51-Jährige. Bei manch anderem könnte es sich bei diesem Satz um eine Floskel handeln, bei Gross verdeutlicht er, wie der Coach tickt: Erfolge, die in der Vergangenheit liegen, interessieren ihn nicht. Es geht ihm immer um den nächstmöglichen Triumph, das Streben um Perfektion. Und wenn er mit seinen Mitstreitern der Meinung ist, dass es Raum für Verbesserungen gibt, werden diese ohne Rücksicht auf Namen umgesetzt – und zwar in allen Bereichen des Clubs.

Die Adler stellten sich im Fitnessbereich komplett neu auf, für den langjährigen Publikumsliebling Ronny Arendt war kein Platz mehr. Auch den Kapitän traf das harte Los: Marcus Kink, der seit 2004 für die Adler auflief, sie seit 2010 als Spielführer aufs Eis führte und das Gesicht des Clubs war, wurde mitgeteilt, dass man trotz seines Vertrags bis 2021 nicht mehr mit ihm plane. Für viele mag dieses Vorgehen menschlich fragwürdig erscheinen, für Gross ist es einfach nur konsequent.

Neues Selbstverständnis

Der Meistermacher ist vom eingeschlagenen Weg überzeugt und weicht keinen Zentimeter von diesem ab. Er lässt sich nicht verbiegen, auch wenn er damit den einen oder anderen vor den Kopf stößt. Gross setzt immer wieder neue Anreize. Nach den Meisterschaften 2007 und 2015 waren die Adler stets in ein Leistungsloch gefallen, das soll diesmal unter allen Umständen vermieden werden. Mit dem neuen Selbstverständnis riefen die Mannheimer nicht nur die Mission Titelverteidigung in der DEL aus, sondern sie wollen auch in der Champions League eine gute Rolle spielen.

Bei der Kaderplanung musste und muss Manager Jan-Axel Alavaara mit einigen Unwägbarkeiten kämpfen. Derzeit ist völlig unklar, wo Moritz Seider und Lean Bergmann in der nächsten Saison Eishockey spielen. Die Entscheidung liegt einzig und allein bei ihren NHL-Clubs Detroit Red Wings und San Jose Sharks. Und da auch das Einbürgerungsverfahren von Thomas Larkin nicht abgeschlossen ist, sieht es derzeit so aus, als würde der Verteidiger weiterhin eine Ausländerlizenz belegen. In diesem Bereich könnten die Adler während der Saison nur noch einmal nachlegen.

Großer Konkurrenzkampf

Gross konzentriert sich auf die Dinge, die er beeinflussen kann. Er will das Letzte aus der Mannschaft herauskitzeln, forciert auf allen Positionen einen Konkurrenzkampf. Gemütlich darf es sich unter ihm niemand machen!

Dass die Adler bei der Transferpolitik neue Wege gehen, passt vor diesem Hintergrund ins Bild. „Wir wollen so trainieren, wie wir spielen“, ist ein Satz, den Gross und Alavaara prägen. Daher geht der Blick nicht in erster Linie nach Nordamerika, sondern nach Skandinavien. Dort haben die Profis eine gesunde Einstellung zur täglichen Schufterei.

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