Kommentar

Gravierender Einschnitt

Peter W. Ragge zur Nachfolgesuche für das Museum

Der Termin war lange absehbar, und es bleibt auch noch ein bisschen Zeit bis dahin. Und doch ist klar: Den Reiss-Engelhorn-Museen steht ein ganz gravierender Einschnitt bevor, wenn Alfried Wieczorek zum Jahresende in den Ruhestand geht.

Wieczorek übergibt ein völlig anderes Haus als das, was er übernommen hat. Früher war es ein durchschnittliches, lange verschlafenes Stadtmuseum ohne Ausstrahlung auch nur in die Region. Dass daraus die Reiss-Engelhorn-Museen als international agierender Museumskomplex, herausragender Ausstellungsstandort mit vier Häusern (plus einem weiteren Museum in C 4 im Bau) sowie drei renommierten Forschungszentren wurde, das ist ganz überwiegend sein Verdienst. Und er hat die große Gabe, Gönner zu überzeugen, ja zu begeistern, manchmal schwierige Persönlichkeiten bei Laune zu halten und Ideen für ungewöhnliche, populäre Sonderausstellungen zu entwickeln.

Schließlich sah er sich nie nur als Museumsmann, sondern wollte in die gesamte Stadtgesellschaft wirken, etwa Tourismus und Einzelhandel fördern. Die Fußstapfen, die er hinterlässt, sind also groß. Aber er hat in seinem Haus Chancen eröffnet, dass sich neue Talente entwickeln und entfalten, die ihn nun gut beerben könnten. Zugleich haben die Reiss-Engelhorn-Museen nun einen so hervorragenden Ruf, dass mit vielen Bewerbern von außerhalb zu rechnen ist. Man darf also gespannt sein, auf wen die Wahl fällt – Hauptsache, das Haus kann seinen Platz in der ersten Liga der Museen halten.