Kommentar

Konstantin Groß zur Nahversorgung in Altenbach

Große Lösung –große Illusion

Archivartikel

Der Stand des Projektes „Verbesserung der Nahversorgung in Altenbach“ lässt sich auf den einfachen Nenner bringen: Die kleine Lösung – das Café – ist auf einem guten Wege, die große – der Dorfladen – jedoch Illusion.

Zunächst einmal gilt festzuhalten: Für die schlechte Versorgung vor Ort sind die Menschen hier wie anderswo selbst mitverantwortlich. Die Geschäfte sind ja nicht durch einen Meteoriteneinschlag eingegangen; sie scheiterten, weil nicht genügend Menschen aus dem Ort hier eingekauft haben, sondern in Supermärkten auswärts – nicht selten die selben Leute übrigens, die heute die Situation beklagen.

Warum sollte sich dieses Kaufverhalten bei einer Neuansiedlung ändern? 1000 Euro Mindestumsatz pro Tag sind in einem Dorf eine hohe Hürde. Damit der Laden loslegen kann, muss er über 70 000 Euro Startkapital verfügen und über 100, langfristig gar 300 bis 400 Bürger, die Genossenschaftsanteile zeichnen – in einem Ort mit 1800 Einwohnern. Dies ist doch sehr unrealistisch.

Dass nun auch noch das Café, von den Experten stets als unerlässliches „Anker-Angebot“ für den Erfolg des Dorfladens erachtet, vorab an anderem Standort verwirklicht wird, das ist für das Projekt Dorfladen sicher nicht hilfreich; für sein mögliches Scheitern ursächlich ist es nicht.

Schade ist, dass die Thematik zwischen die Fronten der Altenbacher Kommunalpolitik gerät. Dass der Förderverein, der das Café-Projekt trägt, von Grünen-Fraktionschef Wolf geleitet wird, macht es für die politischen Mitbewerber bereits suspekt. Das erschwert sachliche Debatten.

Trotzdem war und ist es richtig, das Projekt Café weiterzuverfolgen. Es bietet die Chance für einen geselligen Treffpunkt und sichert die Immobilie Gemeindehaus für das Leben vor Ort. Und das ist schon ein Wert an sich.

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