Kommentar

Große Pläne, triste Realität

Alexander Müller zur Situation bei Hertha BSC Berlin

Hertha BSC hat kühne Pläne. Die Berliner wollen ein „Big City Club“ werden, Bezugsgrößen sind neuerdings große Namen wie Paris St.-Germain oder Real Madrid. Lars Windhorst, ein Unternehmer aus der Elektronikbranche, investiert 225 Millionen Euro für 49,9 Prozent der Anteile an der Hertha GmbH. Der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann sitzt seit November im Aufsichtsrat und eine neue reine Fußball-Arena planen die Berliner auch, weil das Olympiastadion für die meisten Spiele zu groß und in der kalten Jahreszeit ganz schön zugig ist. Dumm nur, wenn bei all den verführerisch klingenden Zukunftskonzepten die Gegenwart im sportlichen Kerngeschäft außer Kontrolle zu geraten droht: Spätestens mit dem fürchterlichen 0:4 beim FC Augsburg ist der Hauptstadt-Club im Kreis der ernsthaften Anwärter auf den Abstieg angekommen.

Es ist beileibe nicht so, dass der fatale Negativtrend alleine dem neuen Trainer Ante Covic zuzuschreiben wäre. Schon in der Rückrundentabelle der vergangenen Saison mit Pal Dardai stand die Hertha nur noch fünf Punkte über der gefährdeten Zone. Aber wenn die Erwartungen durch viel frisches Kapital ins Unermessliche schießen, schmerzt der Aufprall in der tristen Realität umso mehr. Die Berliner haben vor der Saison auf dem Transfermarkt für ihre Verhältnisse enorm viel investiert – unter anderem 20 Millionen Euro für Angreifer Dodi Lukebakio –die sportliche Zwischenbilanz fällt allerdings verheerend aus. Dafür trägt Covic, das von Manager Michael Preetz protegierte Eigengewächs, die Verantwortung.

„Wir haben ausreichend Geld, aber zu wenig Punkte“, hat Präsident Werner Gegenbauer Mitte November auf der Mitgliederversammlung gesagt. Ein Menetekel: Genau diese simple Wahrheit dürfte dem jungen Trainer Covic zum Verhängnis werden.