Kommentar

Großes Dunkelfeld

Peter Reinhardt ist alarmiert über die vielen Drogenfahrten

Angesichts des dramatischen Anstiegs der Fahrten unter Drogeneinfluss verläuft die Debatte erstaunlich gelassen. Dabei ist die Zunahme um 60 Prozent innerhalb von nur fünf Jahren mit Sicherheit nicht zu vernachlässigen. Aber die Unklarheit steckt schon in der Statistik. Sicherlich hat der erhöhte Kontrolldruck der Polizei, die ihre Beamten inzwischen gezielt auf diese schwer feststellbaren Vergehen schult, die Zahl der entdeckten Drogensünder nach oben getrieben. Trotzdem bleibt ein großes Dunkelfeld. Da gibt es nur Mutmaßungen, ob es größer wird oder schrumpft. Wenn mehr Rauschgift zur Verfügung steht, steigt das Risiko, dass die Delikte im Verkehrsbereich zunehmen. Weitere Analysen sind sinnvoll, um die Kontrollen effizient gestalten zu können.

Dass der Gesetzgeber bei harten Drogen null Toleranz gewährt und bei jedem Nachweis im Blut den Führerschein entzieht, ist richtig. Schwieriger durchzuhalten ist die harte Linie bei Cannabis. Klar ist, dass auch diese Droge die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt. Deshalb ist es am besten, sich nach dem Konsum gar nicht ans Steuer zu setzen. Wenn jedoch immer mehr Staaten Cannabis legalisieren und es in Deutschland als Medikament eingesetzt wird, kommt man um eine nachvollziehbare Begründung nicht herum, ab welchem Grenzwert eine relative Fahruntüchtigkeit angenommen wird. Die fehlt bisher.