Kommentar

Großes Kompliment

Archivartikel

Peter W. Ragge bewertet die Resonanz auf den Neubau

Eine lange Warteschlange vor einem Museum – das gab es zuletzt bei den „Körperwelten“ 1997/98 vor dem Technoseum und der Staufer-Ausstellung 2010/11 der Reiss-Engelhorn-Museen, aber jeweils im Winterhalbjahr. Am Freitagabend war das dann wieder vor der neuen Kunsthalle zu erleben, und das ganze Wochenende hindurch setzte sich der Andrang fort. Eine solch grandiose Resonanz trotz herrlichem Ausflugs- und Badewetter – ein größeres Kompliment kann man dem neuen Haus, aber auch dem kuratorischen Konzept nicht machen.

Der Neubau war im Vorfeld heftig umstritten, auch wenn inzwischen viele ihren Frieden damit gemacht haben. Die Fassade erscheint dunkler und glänzt weniger als versprochen. Aber sie wirkt in der Sommersonne schon deutlich positiver als im November-Grau. Und der ganze Bau begeistert die Menschen, weil er Mannheim weltstädtisches Flair beschert – innen äußerst großzügig, hell, freundlich, lichtdurchflutet, außen aber nicht dominant, nicht aufdringlich, sondern zurückgenommen und von einem weitläufigen, nun schön gestalteten Platz umgeben.

Richtig vermarkten

Diese Kombination bestätigt, dass die Entscheidung für den jetzt realisierten Entwurf richtig war – zumal wenn man ins Archiv blickt. Schließlich gab es beim Architektenwettbewerb 2012 Modelle, die sehr viel wuchtiger, monumentaler waren, etwa mit „auskragendem Obergeschoss“ bis zur Straßenkante, mit sechs weit über die Nachbarhäuser hinausragenden Stockwerken, mit Fassaden aus rot eingefärbtem Beton, riesigen Glasflächen oder eloxiertem Aluminium.

Jetzt gilt es, den Schwung der Eröffnung und die Begeisterung für den Neubau langfristig zu sichern. In erster Linie muss da das Kunsthalle-Team „liefern“, wie man heute sagt – aber die Ideen für die nächsten Ausstellungen klingen schon vielversprechend. Eine genauso große Aufgabe ist aber, diesen großen neuen Pluspunkt für Mannheim überregional richtig zu vermarkten und sich zugleich darum zu kümmern, dass Fassade, Skulpturenplatz und das ganze Ensemble langfristig so schön bleiben und nicht durch Dreck verkommen wie die jetzt schon wieder mit Flecken übersäten Planken.

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