Kommentar

Grüne Sonne

Archivartikel

Peter Reinhardt findet, dass der Glanz von Winfried Kretschmann inzwischen deutlich von den Koalitionsquerelen überlagert wird

 

Natürlich ist es noch viel zu früh, die Weichen für die nächste Landtagswahl in Baden-Württemberg zu stellen. Schließlich stehen gerade erst die Halbzeitbilanzen für Grün-Schwarz an. Winfried Kretschmann muss sich trotzdem nicht wundern, dass er immer wieder nach einer Bewerbung für eine dritte Amtszeit gefragt wird. Schließlich wird er in einer Woche 70, und für seine Grünen ist die Frage existenziell. Ein gleichwertiger Ersatz ist weit und breit nicht in Sicht. Hätte Dieter Salomon in Freiburg die OB-Wahl fulminant gewonnen, wäre er dafür durchaus ein Kandidat gewesen.

Aber Kretschmann hat Geschmack an den Fragen nach seiner Zukunft gefunden. Einen Zug zur Eitelkeit kann man auch dem bodenständigen Landesvater nicht absprechen. Vor allem aber ist es ihm gelungen, das eigentlich heikle Thema für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Er bleibt positiv im Gespräch. Und der Koalitionspartner CDU wird schon jetzt nervös, weil er die eigene Machtfrage nicht einmal in Ansätzen geklärt hat.

Auch nach sieben Amtsjahren ist Kretschmann der beliebteste Ministerpräsident in Deutschland. Die Bürger interessieren die Scharmützel in der grün-schwarzen Koalition offensichtlich wenig. Allerdings wird sein Glanz inzwischen durch die Dauerquerelen doch matter. Und Salomons Niederlage lässt Kretschmanns Kurs, der die Grünen weit in die Mitte geschoben hat, plötzlich als Schwäche erscheinen. Deshalb wächst auch in seiner Partei die Unruhe – trotz der Freude, dass Kretschmann es noch einmal wissen will.

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