Kommentar

Grüner Höhenflug

Archivartikel

Peter Reinhardt zur politischen Situation im Südwesten

Natürlich ist die neue Umfrage zur politischen Situation in Baden-Württemberg eine Momentaufnahme, die von Winfried Kretschmanns Bewerbung um eine dritte Amtszeit als Ministerpräsident getragen ist. Der populäre Grünen-Regierungschef hat seiner Partei durch die Ankündigung vor ein paar Tagen das eine oder andere Extraprozent beschert. Denn mit der politischen Leistung der letzten Zeit lassen sich die Zugewinne der Grünen sicher nicht erklären.

Vor einem halben Jahr war die CDU bei einem Abstand von vier Prozentpunkten noch in Schlagdistanz zu den Grünen. Kretschmanns Pfund ist das Grundvertrauen beim Wähler, das durch das bundesweite Hoch der Grünen verstärkt wird. Die Grünen profitieren zudem von der Schwäche der SPD, die seit Monaten eine neue Führung sucht und mit ihrer Nabelschau offenbar Wähler abschreckt.

Für die CDU–Herausforderin Susanne Eisenmann ist diese Umfrage ein schwerer Schlag ins Kontor. Ein Rückstand von zwölf Prozentpunkten auf den Koalitionspartner ist im einstigen CDU-Stammland ein Stimmungskiller und aus heutiger Sicht kaum aufholbar. Die frühe Kür der Kultusministerin zur Spitzenkandidatin hat ihrer Partei zunächst einmal nichts gebracht. Nun steht Eisenmann vor einem Dilemma: Sie muss die CDU gegen den im Moment übermächtigen Koalitionspartner profilieren, darf aber nicht in einen Dauerwahlkampf abrutschen, den die Wähler nicht honorieren würden. Da können die eineinhalb Jahre bis zur Landtagswahl im Frühjahr 2021 noch sehr lang werden.