Kommentar

Grundsätzlich diskutieren

Bertram Bähr zu kostenlosen Angeboten im Nahverkehr

 

Ein verbilligter Kurzstreckentarif in Mannheim: Darüber sprachen in den vergangenen Tagen die Parteien. Wird diese Diskussion jetzt hinfällig, weil das gesamte Nahverkehrssystem bald kostenlos zur Verfügung steht? Der Eindruck, dass das so kommen könnte, trügt. Gestern schränkte die Bundesregierung die Ankündigung ihrer Ministerien bereits ein und sprach von einem lediglich „zeitweiligen“ Gratis-Angebot – wohl nur dann, wenn ein konkretes Fahrverbot droht oder sogar schon greift.

Dennoch ist es lohnenswert, Gratis-Tickets oder kostenreduzierte Angebote in den Blick zu nehmen, um den Umstieg von Autos auf Busse und Bahnen zu fördern. Allerdings wäre der Verzicht auf Kontrolle und Fahrkarten erst ein möglicher zweiter Schritt. Denn die zu erwartenden höheren Fahrgastzahlen würden das System, das jetzt schon am Rande seiner Kapazität ist, kollabieren lassen. Der erste Schritt zu mehr Attraktivität im Nahverkehr muss ein massiver Ausbau sein – sowohl was Strecken als auch Anzahl der Fahrten angeht. Aber dieser Prozess würde, wenn er denn überhaupt käme, Jahre in Anspruch nehmen und viele Millionen Euro kosten.

Unabhängig von allen Bedenken liefert der Vorstoß der Bundesregierung der Politik aber einen guten Anlass, einmal ganz grundsätzlich über die Zukunft des ÖPNV zu diskutieren.

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