Kommentar

Gut gemeint

Archivartikel

Peter Reinhardt sieht Schwächen in der Landes-IT

Das komplette Aus für die Bildungsplattform „ella“ ist ein schwerer Imageschaden für die grün-schwarze Regierung. Das ehrgeizige Projekt sollte ein Leuchtturm in der Digitalisierungspolitik sein. Stattdessen stehen die Beteiligten vor einem Scherbenhaufen. Der kommunale Dienstleister ITEOS war offenbar überfordert mit der Technik. Erst wenige Tage vor dem Starttermin merkte man dort, dass die Sache schiefging. Dann kam auch noch Pech dazu, als die Firma aus Walldorf, die eigentlich die Arbeit machte, an einen amerikanischen Konzern verkauft wurde. In diesem Machtspiel war ITEOS die Landmaus, die von der Stadtmaus aus Kalifornien vorgeführt wurde. Am Ende konnte ITEOS nicht liefern und verspielte das Vertrauen beim Land. Von daher ist die Trennung logisch und nachvollziehbar. Zu spät hat sich die Kultusministerin darum gekümmert oder wahlweise ihre Mannschaft zu lange werkeln lassen.

Hinter dem Einzelfall zeigt sich aber ein strukturelles Problem in der Informationstechnik des Landes. Nach vielen Jahren Vorplanung wurde diese Aufgabe zentralisiert in einer Landesfirma. So machen das auch große Unternehmen, um einheitliche Strukturen in der IT zu sichern. Mit den Gehältern des öffentlichen Dienstes kann aber die Firma in dem überhitzten Markt um die besten Fachkräfte nicht mit der Wirtschaft konkurrieren. Hier droht der Schuss nach hinten loszugehen. Inzwischen haben auch andere Minister wichtige Projekte gestoppt aus Angst vor nicht mehr heilbaren Fehlern. Die zentrale Struktur muss schnell auf den Prüfstand.

 
Zum Thema