Kommentar

Gut gemeinter Versuch

Archivartikel

Stefan M. Dettlinger zur Auschwitz-Einladung an die Skandalrapper

Es ist eine alte Weisheit, dass vor allem, wer selbst Leid, Unterdrückung oder Schmerz erfahren oder auch nur bei ihm nahestehenden Menschen miterlebt hat, sensibler ist für Gefühle der Empathie und des Mitleids. Nicht nur Richard Wagners Held Parsifal wird durch Mitleid wissend; er sieht ins tote Auge eines von ihm selbst geschossenen Schwans. Die Verbindung ist auch empirisch nachweisbar.

Insofern ist die Initiative des Internationalen Auschwitz-Komitees zwar ein logischer und gut gemeinter Versuch, die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang mit einem Besuch in der KZ-Gedenkstätte zu bekehren und ihnen Geschichte und Leid der dortigen Insassen nahezubringen; und es ist auch innig zu hoffen, dass dies so gelingt.

Doch die Aktion geht davon aus, dass die beiden auch wirklich nicht Bescheid wissen. Ob Kollegah oder Farid Bang nun gewaltbereite Frauenverächter und beinharte Antisemiten sind oder nur aus finanzieller Habgier mit dem Tabu der Opferverhöhnung spielen – dass sie mit ihrer Musik und dummdreisten Texten messerscharf den Grat zwischen Gesetz, Moral und Provokation betreten, spricht dafür, dass sie unbelehrbar sind. Was sie tun, tun sie ganz bewusst. Und sie verdienen damit sehr viel Geld. Ein Besuch in Auschwitz passt da leider überhaupt nicht gut ins Bild.

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