Kommentar

Gut gerüstet

Archivartikel

Wolfgang Mulke zur konjunkturellen Erholung

Es geht wirtschaftlich wieder etwas aufwärts. Das hätte angesichts des tiefen Falls in den vergangenen Monaten wohl nur der größte Optimist vorhergesagt. Doch in einigen Branchen und im Export laufen die Geschäfte nach vergleichsweise kurzer Zeit schon wieder an. Es besteht die Hoffnung, dass Deutschland als Ganzes mit einem blauen Auge aus der Krise herauskommen kann.

Die Zuversicht hat aber auch Haken. Insgesamt mag die Volkswirtschaft wieder auf die Beine kommen. Gleichzeitig zeichnet sich schon eine Pleitewelle bei kleinen Firmen und in ganzen Branchen ab, die im Inland ihr Geld verdienen. Noch halten die Corona-Hilfen viele kleine Betriebe über Wasser. Wenn ihnen im Herbst das Geld ausgeht, werden viele aufgeben müssen, von Soloselbstständigen und Künstlern ganz zu schweigen. Als zweiter Haken könnte sich der Arbeitsmarkt erweisen. Die von der Krise hinterlassenen Spuren sind längst noch im ganzen Ausmaß sichtbar. Kurzarbeit und eben jene von Insolvenz bedrohten Firmen verdecken das potenzielle Ausmaß der kommenden Entwicklung der Arbeitslosigkeit.

Doch jenseits dieser Skepsis hat sich Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern, insbesondere den USA, als gut für Krisen gerüstet gezeigt. Insbesondere die Kurzarbeiterregelung ist Gold wert, auch wenn es dabei vermutlich erhebliche Mitnahmeeffekte von Unternehmen geben wird. Arbeitsminister Hubertus Heil liegt mit der Verlängerung der kulanten Regelungen daher richtig. Auch die Verknüpfung mit Weiterbildung liegt nahe und dient der längerfristigen Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft.