Kommentar

Gute Werbung

Archivartikel

Agnes Tandler bewertet den Papst-Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten als historisch – und Chance für beide Seiten

In einem Land voller Luxus-Automobile kam er ganz bescheiden im Kia. Gestern fuhr der Papst in einem kleinen, schwarzen Auto am Palast des Scheichs von Abu Dhabi vor. Der Besuch des Heiligen Vaters in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist von historischer Dimension. Noch nie zuvor war ein Papst auf die arabische Halbinsel gereist. In den Emiraten mit nur rund neun Millionen Einwohnern leben fast eine Million Katholiken – die meisten von ihnen stammen aus Indien oder den Philippinen und sind Wanderarbeiter.

Anders als Saudi-Arabien, wo bereits der Besitz einer Bibel zu Schwierigkeiten führen kann und Priester oder Pastoren das Königreich gar nicht erst besuchen dürfen, erlauben die Emirate eine relative freie Religionsausübung. Es gibt Hindu-Tempel und Kirchen im Land. Christliche Gotteshäuser dürfen allerdings keine Kreuze öffentlich zur Schau stellen – etwa auf dem Kirchturmdach. Und auch das Konvertieren von Muslimen steht unter Strafe.

Die Emirate können im Moment den Papst-Besuch gut gebrauchen, um sich als freies, liberales Land zu präsentieren. Denn die schlechten Nachrichten für die Herrscherfamilie in Abu Dhabi reißen nicht ab. Der Jemen-Krieg, an dem sich die Emirate gemeinsam mit Saudi-Arabien beteiligen, wird blutig und äußerst brutal geführt – ohne jede Rücksicht auf die zivile Bevölkerung. Im Jemen, einem der ärmsten Länder der Welt, sind laut den Vereinten Nationen 13 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht. Ein Ende der Konfliktes ist nicht in Sicht.

Und dann ist da die diplomatische Krise zwischen dem Mini-Emirat Qatar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die für böses Blut im Golf sorgt. Abu Dhabi und Riad kappten im Juni 2017 alle Beziehungen zum Nachbarstaat und sperrten die Grenzen, den Luftraum und die Seewege für Schiffe und Flugzeuge aus Qatar. Auch hier zeichnet sich keine Lösung ab. Da ist der Papst-Besuch gute Werbung für die Emirate, die ja neben Öl auch mit internationalem Tourismus ihr Geld machen.

Der Heilige Vater lobte den Golfstaat denn auch als „Land, das versucht, ein Modell für Koexistenz, menschlicher Bruderschaft und ein Treffpunkt verschiedenster ,Kulturen’“ zu sein.

Der Vatikan hofft, dass der Besuch dazu führen könnte, den Bau von mehr Kirchen in den Emiraten zu erlauben: Die Freitagsmessen in der St. Mary´s Church Dubai, die in den Emiraten als Sonntagsgottesdienste abgehalten werden, sind gewöhnlich so überfüllt, dass es kaum noch Stehplätze gibt.

 
Zum Thema