Kommentar

Guter Kompromiss

Archivartikel

Wolfgang Mulke begrüßt die neue Kennzeichnung

Ein jahrelanger Streit zwischen Ärzten und Ernährungsforschern auf der einen Seite und der Lebensmittelindustrie auf der anderen könnte bald der Vergangenheit angehören. Dabei geht es um eine leicht verständliche Kennzeichnung von Fertigprodukten im Supermarkt. Wie gesund eine Dosensuppe oder eine Tiefkühllasagne tatsächlich ist, erschließt sich den meisten Kunden nicht. Zwar stehen die Zutaten auf der Verpackung. Nur können die wenigsten Konsumenten diese Informationen richtig einordnen. Viele interessiert der Inhalt gar nicht, so lange die Mahlzeit nur gut schmeckt.

Die Folgen des unreflektierten Essens sind in den Krankheitsstatistiken ablesbar. Diabetes oder Herz-Kreislauf-Krankheiten als Folge von Übergewicht verbreiten sich immer weiter. Nur mit Aufklärung, nicht mit Verboten, lässt sich der Trend durchbrechen. Der in Frankreich entwickelte „Nutri-Score“, der gesunde und ungesunde Zutaten bei einer farblichen Kennzeichnung der Produkte berücksichtigt, ist eine gute Antwort auf die Herausforderung, besser zu informieren.

Die Verbraucher wollen mit wenigen Blicken Angebote vergleichen können. Eine Farbkennzeichnung kann zur erwünschten Bewusstseinsänderung beitragen. Denn niemand isst bewusst gerne Ungesundes, wenn es Alternativen dazu gibt. Auf diesen Kompromiss zwischen plakativer Ampel und unverständlichen Informationen sollten sich die verschiedenen Parteien verständigen können. Einzelne Unternehmen packen dies schon freiwillig an. Die Bundesregierung sollte derlei Initiativen durch entsprechende gesetzliche Regelungen schnell den Rücken stärken.