Kommentar

Härtere Gangart

Archivartikel

Was viele Bürger, Denkmalschützer und Kommunalpolitiker seit langem gefordert haben, das wird nun wahr: Die Stadt packt ihren Instrumentenkasten aus, um noch eine Rettung des Relaishauses zu erreichen. Oder um es deutlicher zu sagen: Sie legt die Samthandschuhe ab. Spät, aber nicht zu spät.

Viele Bürger nicht nur auf der Rheinau hatten bislang den Eindruck, dass die Stadt sich diesem Thema eher lustlos widmet. Denn natürlich bildet die Ruine tief im Süden lediglich ein Detail der Stadtplanung mit ihrem Mammutthema Konversion.

Begrenzte Möglichkeiten

Allerdings ist der Vorwurf der Tatenlosigkeit nicht gerechtfertigt. Der Handlungsspielraum der Kommune ist vor dem Hintergrund des grundgesetzlich garantierten Eigentums begrenzt. Der Besitzer sitzt zwar im Gefängnis, geht gegen alle Maßnahmen der Stadt zur Rettung des Bauwerks aber juristisch vor. Das ist rechtens. Aber eben auch, sich als Bürger darüber ärgern zu dürfen.

Doch mittlerweile ist Schluss mit lustig. Wer da und dort gehofft haben mag, das Thema gerate in Vergessenheit, der irrt sich gewaltig. Tausende Rheinauer haben den Schandfleck jeden Tag vor Augen, wenn sie aus der Tür treten. Vertreter des Stadtteils und Denkmalfreunde aus der Region lassen nicht locker. Zum Glück.

Vielversprechende Initiativen

Wie man hört, gehen die jetzigen Initiativen auf Lothar Quast persönlich zurück. Bis zu seinem Ruhestand als Baubürgermeister zum Jahresende will er das Thema so gut es geht abgeräumt haben, um es nicht seinem Nachfolger hinterlassen zu müssen.

Der Instrumentenkasten der Stadt ist vielseitig, ja vielversprechend. Vor allem die auf den ersten Blick dröge erscheinende Maßnahme der Bebauungsplanänderung ist ein scharfes Schwert. Wer immer geglaubt haben mag, durch Feuer oder Zusammenbruch des Bauwerks das Grundstück versilbern zu können, der hat sich verrechnet. Mit den beiden Vorgaben Eingeschossigkeit und öffentliche Nutzung ist eine lukrative Vermarktung etwa als Block von Eigentumswohnungen nicht möglich.

Bekenntnis der Stadt

Auch die Vorlage ist im Sinne der Sache höchst erfreulich. Erstmals bekennt sich die Verwaltung offiziell zur historischen Bedeutung dieses Bauwerks. Und gibt zu Protokoll, dass – ebenso von zentraler Bedeutung – die Zerstörungen seinen Charakter als Denkmal nicht beeinträchtigt haben.

Doch so weit, wie die Bebauungsplanänderung denkt, nämlich für den Fall eines Neubaus, sind wir – zum Glück – noch nicht. Jetzt gilt es, mit allen Kräften zu retten, was noch zu retten ist. Ohnehin beginnt dann erst eine nicht minder schwierige Debatte: über die millionenteure Restaurierung der Ruine in Zeiten kommunaler Finanznot nach Corona.

 
Zum Thema