Kommentar

Haft trifft die Falschen

Archivartikel

Hagen Strauß sieht Gefängnisstrafen für Schwarzfahrer als überzogen an und empfiehlt die Einrichtung von Zugangskontrollen

 

Der Ehrliche ist häufig der Dumme, so ist das im Leben. Das darf freilich kein Grund sein, nicht mehr ehrlich zu sein. Jeder Schwarzfahrer verursacht einen Schaden, den diejenigen ausgleichen müssen, die sich ordnungsgemäß ein Ticket kaufen – vor allem über steigende Fahrscheinpreise. Das ist ein großes Ärgernis. Schwarzfahrer jedoch ins Gefängnis zu stecken, erinnert an den alten Spruch, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Außerdem ist der Aufwand der strafrechtlichen Verfolgung immens. Die Entkriminalisierung ist daher richtig, es gibt andere Delikte, für die eine Haftstrafe angemessen ist.

In der Regel trifft es sowieso diejenigen, die sich kein Ticket nicht leisten können. Auch wenn einige Schwarzfahrer eine sportliche Herausforderung darin sehen dürften, möglichst den Kontrollen zu entgehen oder es den Verkehrsbetrieben zu zeigen.

Das Problem lässt sich auch ganz einfach aus der Welt schaffen, andere Städte sind da ein gutes Vorbild: In London oder Madrid zum Beispiel gelangt man ohne gültiges Ticket gar nicht erst an die Bahngleise. Soll heißen, die Einrichtung von Zugangskontrollen ist der beste Weg. Warum das nicht geschieht, liegt freilich auf der Hand: Es sind die Kosten, die die Verkehrsbetriebe davon abhalten. Doch das ist nicht hinzunehmen. Der Steuerzahler darf nicht als Lückenbüßer herhalten und der Schwarzfahrer nicht als Krimineller stigmatisiert werden, nur weil die Anbieter ihre Systeme nicht verbessern wollen.

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