Kommentar

Harte Realität

Archivartikel

Marc Stevermüer zur Situation der Löwen

Die Meisterschaft holten sie zweimal, der Pokalsieg gelang ebenfalls – und so waren die Rhein-Neckar Löwen im Sommer 2018 angetreten, um in dieser Saison endlich auch in der Champions League für Furore zu sorgen. Man wolle weiterkommen als in den vergangenen Jahren – und den Grundstein dafür mit einer Topplatzierung in der Gruppenphase legen, hieß es damals. Letzteres hat schon einmal nicht geklappt. Die Löwen beenden die Vorrunde als Fünfter – und mehr haben sie auch nicht verdient.

Die Auftritte in der Königsklasse spiegelten den gesamten bisherigen Saisonverlauf wider. Die Badener agierten wechselhaft mit gelegentlichen Ausreißern nach oben, gerade in den ersten Partien belohnten sie sich auch zu selten in dieser fraglos schweren Gruppe. Aber unter dem Strich spielten die Löwen nicht gut genug gegen die Besten Europas, weil sie vor allem im Angriff eklatante Probleme haben. Viel zu viel hängt an Andy Schmid, der äußerst selten Unterstützung von seinen Rückraumkollegen bekommt – insbesondere von der halblinken Position.

Die Folge dieser Berechenbarkeit liegt auf der Hand: Die Löwen gehören in dieser Form nicht zur internationalen Spitze. Das sagte Trainer Nikolaj Jacobsen schon vor Wochen – und auch wenn dieser Weckruf wehtat, entspricht er der Wahrheit. So sieht nun mal die harte Realität aus.

Nichtsdestotrotz ist natürlich immer noch der erhoffte Einzug ins Final Four möglich. In einer K.o.-Runde kann viel passieren, doch momentan fehlt selbst größten Optimisten die Fantasie, wie die Löwen in dieser Verfassung überhaupt das Achtelfinale gegen HBC Nantes überstehen wollen. Seit Monaten bleibt die Initialzündung, das Signal für eine überzeugende Siegesserie aus. Und nun soll das plötzlich im letzten Saisondrittel passieren? Es fällt schwer, daran zu glauben.