Kommentar

Harte Zeiten, offene Bühnen

Ralf-Carl Langhals blickt auf Holtzhauers erstes Programm

 

Vielfalt, Offenheit und Durchlässigkeit“ heißen die selbstgesteckten Ziele der neuen Schauspielintendanz. Schiller ist das einzige Zugeständnis, das Christian Holtzhauer an Mannheims Traditionalisten macht. Zum Auftakt der Spielzeit und der Schillertage ist es immerhin prominent platziert, wenn auch einmal mit dem vorsichtigen Zusatz „nach Schiller“. Für diese ambitionierte Entrückung vom klassischen Theaterstück stehen auch die Überschreibungen, Filmadaptionen, Romanbearbeitungen für die Bühne, Stadtraumprojekte, Installationen und performative Mischformen, die Holtzhauers Spielplan prägen. Erfunden hat er den Abschied vom hergebrachten Sprechtheater nicht, sondern findet sich trendgemäß in illustrer Gesellschaft experimenteller Bühnen und Festivals. Mutig ist dieser Schritt – ebenso wie die diversifizierte Ensemblezusammensetzung – für ein normales Stadttheater, vielleicht sogar übermütig, auf jeden Fall aber ehrgeizig und um Auffälligkeit bemüht. Bedenkt man das Bohei, das Johann Kresniks Stück über Hannelore Kohl einst nach sich zog, darf man sich der überregionalen Aufmerksamkeit von Lukas Bärfuss‘ Kohl-Stück „Der Elefantengeist“ sicher sein. Für Freunde des szenischen Dialog-Dramas zwischen Shakespeare und Horváth kommen harte Zeiten – für neugierige Fans formbefreiten Erzählens sicherlich spannende. Ob es genug sind, um allabendlich die Säle zu füllen, wird Holtzhauer herausfinden …

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