Kommentar

Hausaufgaben mitbekommen

Archivartikel

Lars Müller-Appenzeller zu den DSV-Adlern

Nicht nichts, aber wieder nicht der Tourneesieg: Es ist nicht so, dass die Deutschen als Tiger in Oberstdorf losgesprungen und als Bettvorleger in Bischofshofen gelandet wären. Der Sieg beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee von Karl Geiger und die äußerst erfolgreiche Skiflug-WM kurz zuvor mit Gold, Silber und Bronze für Schwarz-Rot-Gold sowie bis dato Markus Eisenbichlers zweiter Platz im Gesamtweltcup hatten ganz einfach auf mehr hoffen lassen: Geigers zweiter Gesamtplatz bei der Tournee ist nicht nichts. Aber es hat nicht zum ersten deutschen Triumph seit 2002 gereicht. Wieder nicht.

Die beiden derzeit besten deutschen Skispringer zeigen, wie komplex diese Sportart bei gleichzeitig besonders komplexer Wettkampffolge ist: Eisenbichler war konstant gut, blieb ohne positiven Ausreißer, leistete sich aber wie der zeitweise überragende Geiger einen negativen Ausreißer. Nimmt man dazu die Ergebnisse der Teamkollegen, steht unter dem Strich Enttäuschung. Sie wollten es allesamt besonders gut machen und haben es genau deshalb bei den maximal acht Sprüngen nicht auf den Punkt gebracht. Im Gegensatz zu den Polen um Kamil Stoch, die bei der Skiflug-WM lediglich Bronze mit der Mannschaft ergattert haben – als wiederum die Deutschen einen Medaillensatz abgegriffen hatten.

Nun geht der Blick auf die Weltmeisterschaft in Oberstdorf. Sie ist der große Prüfstein für den Bundestrainer Stefan Horngacher. Er und sein Team haben bei der Tournee reichlich Hausaufgaben für die WM bekommen, sie müssen die Balance wiederfinden. Und Geiger auf eine besonders schöne Herausforderung vorbereiten: Der Oberstdorf-Sieger wird, wenn alles normal läuft, als Mitfavorit auf seiner Heimschanze starten. Das sind die Konstellationen, in denen große Sportler zu ganz großen werden können.

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