Kommentar

Hagen Strauß denkt, dass Alexej Nawalny seine Sympathien hierzulande verspielen könnte, wenn er mit unbewiesenen Anschuldigungen kommt

Heikle Aussagen

Archivartikel

Hagen Strauß denkt, dass Alexej Nawalny seine Sympathien hierzulande verspielen könnte, wenn er mit unbewiesenen Anschuldigungen kommt

Es ist kein Geheimnis, Alt-Kanzler Gerhard Schröder genießt schon seit Jahren einen zweifelhaften Ruf im politischen Berlin. Kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt 2005 heuerte „der Genosse der Bosse“, wie er immer trefflich genannt wurde, beim vom russischen Staat kontrollierten Konzern Gazprom an. Inzwischen soll er bei drei russischen Unternehmen unter Vertrag stehen, die mehr oder weniger vom Kreml abhängig sind. Viel Geld verdient Schröder mittlerweile.

Dass er Kritik an seinem Kumpel Wladimir Putin stets vermieden hat, sogar auf dem Höhepunkt der Ukraine-Krise 2014, verwundert nicht. „Echte Fründe ston zesamme“, singt man in Köln. Einst nannte er Putin sogar einen „lupenreinen Demokraten“ – auch von dieser Wertung ist keine echte Distanzierung Schröders überliefert. Genauso wenig ist bekannt, dass der Altkanzler mal seine Beziehungen nach Moskau hat spielen lassen, um mäßigend einzuwirken und dadurch Krisen zu entschärfen. Wenn Alexej Nawalny ihn daher „Laufbursche Putins“ nennt, ist das zwar starker Tobak, aber im Kern nicht falsch.

Schröder dürfte diese Anschuldigung genauso wenig jucken wie die harschen Attacken, die ihn regelmäßig von allen Parteien ereilen. Auch aus der SPD, die an ihrem Altkanzler aus vielerlei Gründen leidet. Heikel wird es freilich, wenn Nawalny mit Vorwürfen hantiert, die er nicht belegen kann. Bewiesen ist nicht, dass Schröder verdeckte Zahlungen erhalten hat, auch spricht der Kreml-Kritiker nur von seiner persönlichen Meinung.

Schröder mag nicht gerade der Vorzeige-Ehrenmann sein, auch kann man sein Engagement für Russland eines ehemaligen Bundeskanzlers unwürdig finden. Doch solche Unterstellungen wie die von Alexeji Nawalny gehen dann doch zu weit.

Nawalny ist in Deutschland auf großes Wohlwollen gestoßen, die Hintergründe seiner Vergiftung sind aber noch nicht endgültig ermittelt. Er muss aufpassen, diese Sympathien nicht zu verspielen.

 
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