Kommentar

Heißes Eisen

Peter Reinhardt zur Tarifrunde 2018 in der Metallindustrie

 

Die Metallindustrie steuert in diesem Winter auf einen heißen Tarifkonflikt zu. Beim Blick auf die fast überall sehr gute Ertragslage der Unternehmen wachsen die Begehrlichkeiten der Beschäftigten. Selbst die von der Dieselaffäre durchgeschüttelten Autokonzerne eilen dank ihrer gute Position auf dem Weltmarkt von einem Absatzrekord zum nächsten. Es gehört nicht viel Mut zu der Prognose, dass nach der betrieblichen Diskussion sechs Prozent tatsächlich die Lohnforderung für die nächste Tarifrunde sein werden. Das ist schon sehr hoch angesetzt - aber die eigentliche Brisanz liegt in der angedachten Verkürzung der Arbeitszeit. Natürlich denken viele Beschäftigte nicht im Traum daran, nur noch 28 Stunden in der Woche ohne Lohnausgleich zu arbeiten. Trotzdem passt die Verkürzung für Eltern mit kleinen Kindern oder für Beschäftigte, die einen Angehörigen pflegen, gut in die aktuelle gesellschaftspolitische Debatte.

Die Betriebe bekämen allerdings schon massive Probleme, wenn nur ein kleinerer Teil der Belegschaften diesen Anspruch einlösen würde. Schon heute suchen viele händeringend nach Fachkräften. Und dann will die Gewerkschaft für einzelne Gruppen von Beschäftigten auch noch einen finanziellen Ausgleich durchsetzen, damit die sich die Arbeitszeitverkürzung leisten können. Eigentlich müsste die IG Metall diese Kosten zur Lohnforderung dazuzählen. Das unterlässt sie mit Absicht - sonst würde offenkundig, dass dieses Forderungspaket unrealistisch ist.