Kommentar

Herren haben das Sagen

Archivartikel

Rolf Obertreis zum Anteil der Frauen in Aufsichtsräten

Fast ein Drittel- das ist doch schon was. Aber nur auf den ersten Blick. Klar: Es sitzen viel mehr Frauen in den Aufsichtsräten deutscher Konzerne als noch vor zehn Jahren. Zumindest das aber sollte normal sein, zumal der Prozess ohnehin lange gedauert hat. Sehr lange.

Aber trotz der stärkeren Präsenz des weiblichen Geschlechts haben die Herren, wenn es um die Kontrolle der wichtigsten deutschen Großunternehmen geht, immer noch eindeutig das Sagen. Sie lenken - mit Ausnahme von Henkel - die Aufsichtsgremien, sie leiten die wichtigsten Ausschüsse, die etwa die Weichen für neue Vorstände stellen. Sie geben - zum Teil großzügig entlohnt - also die Richtung vor, während die Damen die Beschlüsse im Aufsichtsrat weitgehend abnicken dürfen.

Dabei haben Frauen bei der Kontrolle wichtiger Unternehmen und deren Vorstandsmitglieder - Beispiel Deutsche Bank oder VW - bislang kaum für negative Schlagzeilen gesorgt. Sie sind weder für Skandale und Betrügereien noch für Abgasmanipulationen mitverantwortlich. Das müssen sich in erster Linie die vermeintlich cleveren Herren an der Spitze der Aufsichtsräte zuschreiben lassen.

Den Frauen in den Aufsichtsräten sollte also endlich mehr Verantwortung übertragen werden. Es ist durchaus an der Zeit, ihnen mehr Einfluss in den Kontrollgremien deutscher Konzerne zukommen zu lassen. Sie würden sich sicher nicht sträuben.