Kommentar

Herren haben das Sagen

Vor allem Männer schauen in deutschen Konzernen auf Männer in den Vorständen – jedenfalls wenn es um den Vorsitz in Aufsichtsräten geht. Gerade einmal eine einzige Frau führt derzeit in Deutschland bei den 30 größten börsennotierten Konzernen das Kontrollgremium. Über diesen fragwürdigen Zustand kann auch nicht hinwegtäuschen, dass bei den meisten Unternehmen die Quote von 30 Prozent Frauen bei der Besetzung der Aufsichtsräte mittlerweile erfüllt oder sogar übererfüllt ist. Das ist immerhin ein Fortschritt.

Wenn man allerdings auf die 50 einflussreichsten Konzern-Kontrolleure schaut, sieht es wieder ganz anders aus. Dort liegt die Quote bei gerade mal 14 Prozent. Und auch in den wichtigen Ausschüssen der Aufsichtsräte haben vor allem die Herren das Sagen – mit einem Anteil von fast 75 Prozent. In den Ausschüssen werden zentrale Entscheidungen etwa über die Besetzung des Vorstandes und die Vorstandsgehälter vorbereitet, die dann im großen Kreis mehr oder minder abgesegnet werden. Ein Blick in die Politik sollte den Unternehmen zu denken geben. Dort bestimmen Frauen an entscheidenden Stellen: In Berlin die Bundeskanzlerin und etliche Bundesministerinnen, in Brüssel demnächst eine Kommissionspräsidentin. Und in Frankfurt sitzt ab November mit Christine Lagarde zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der mächtigen Europäischen Zentralbank.

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