Kommentar

Herxheimer Hitlerglocke  - ein Fall fürs Museum

Stephan Alfter zum Umgang mit der Hitlerglocke: Eine Tagung der Landeskirche im November weckt Hoffnung, dass die Glocke doch noch ausgetauscht wird.

Wer gedacht hat, die Sache sei für alle Zeiten erledigt und ausgestanden, sieht sich nun getäuscht. Die Herxheimer Hitlerglocke kehrt als Thema in den öffentlichen Raum zurück, weil das Sujet nie abschließend gelöst war. Erinnern wir uns: „Alles fuer’s Vaterland – Adolf Hitler“, so steht es auf dem Bronzeobjekt von 1934. Und auch mehr als zwei Jahre nach der Entscheidung, eine Glocke mit einer mehr kriegerischen als christlichen Botschaft in der Kirche hängenzulassen, gibt es Leute, die sich dafür stark machen, das Teil aus dem Turm der Jakobskirche zu holen und an einen Ort zu schaffen, an dem seine Geschichte erzählt und eingeordnet werden kann. „Was spricht dagegen?“, lautet die Frage, die sich weiterhin und immer deutlicher stellt. Die Glocke ist Adolf Hitler, dem größten Massenmörder der Menschheitsgeschichte, gewidmet. Sie ruft indirekt zu Gewalt auf. Wer will da noch Argumente finden, dass sie in einem Gotteshaus gut aufgehoben ist? Staat und Religion sind in Deutschland aus gutem Grund getrennt.

„Es gehört halt zu unserer Geschichte“, sagen solche, die zu bequem sind, sich mit dem Thema weiter zu befassen. „Was kann die arme Glocke dafür?“, sagen andere, die sich nicht im Klaren darüber sind, was eine solche Inschrift für einen Juden bedeuten mag, dessen Vorfahren in einem KZ gestorben sind. Und: „Einschmelzen“ fordern jene, die nicht daran denken, dass uns solche Objekte auch mahnen können, nicht wieder dieselben Fehler zu machen, die schon einmal zu Rassenhass und Genozid geführt haben. Um Erinnerung, Mahnung und Gedenken möglich zu machen, müssen diese NS-Erbstücke aber sichtbar, erfahrbar und erklärbar sein. Welcher Ort in der Pfalz wäre dafür besser geeignet als das Historische Museum in Speyer?

Zu lange hat die Evangelische Kirche der Pfalz die Thematik einer sichtbar überforderten Kirchengemeinde überlassen. Der noch amtierende Kirchenpräsident Christian Schad hat sich weggeduckt und sich erst öffentlich für ein Abhängen der Glocke ausgesprochen, als die Entscheidung, dass sie hängenbleibt, schon lange gefallen war. „Protestanten ohne Protest“ heißt ein Werk über die pfälzischen Christen während des Nationalsozialismus. Dass auf einer Tagung der Landeskirche im November über ein Gesetz zum klar geregelten Umgang mit Devotionalien aus dem NS-Regime und aus anderen menschenfeindlichen Gesellschaften entschieden werden soll, lässt nun aufhorchen. Man darf hoffen, dass die Glocke doch noch ausgetauscht wird.

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