Kommentar

Herzen am richtigen Fleck

Steffen Mack über die Welle des Mitgefühls für Sina Göpel

Klar: Es gibt viele Menschen in weitaus schlimmeren Lagen. Dennoch hat unser Bericht über die angehende medizinisch-technische Assistentin Sina Göpel, von der die Stadt Mannheim 3000 Euro an Schüler-BAföG zurückfordert, ein gewaltiges Interesse und eine beeindruckende Welle des Mitgefühls ausgelöst. Das ist sehr schön. Vor allem in einer Zeit, in der viele zuallererst an sich selbst denken und gesellschaftliche Debatten oft mit großer Härte sowie nicht minder großer Häme geführt werden. Gut, dass bei einer großen Zahl von Menschen das Herz offensichtlich noch am richtigen Fleck sitzt. Das könnte Notleidenden etwas Hoffnung geben.

Einige Leser wollen Sina Göpel finanziell helfen. Eine tolle Geste! Es spricht allerdings auch für die 22-Jährige, dass sie die Hilfe nicht annehmen will. Denn sie hat sich, dazu ermuntert vom Klinikum-Betriebsrat, nur aus einem Grund an den „MM“ gewandt. Sie wollte auf eine systematische Ungerechtigkeit aufmerksam machen, die nicht nur sie, sondern auch einige andere Auszubildende in medizinischen Berufen betrifft.

In einer idealen Welt würden die Verantwortlichen – die Gewerkschaft Verdi, die eine Ausbildungsvergütung erreicht hat, und die deswegen Schüler-BAföG zurückverlangenden Landesämter – nun gemeinsam eine gerechte Lösung finden. Aber das ist so realistisch wie der Osterhase als Martinsgans. So bleibt nur die Hoffnung auf eine faire Klärung vor Gericht. Und darauf, dass ausführende Ämter vielleicht doch noch einen Ermessensspielraum für sich entdecken. Die Stadt Mannheim hat das für sich bereits ausgeschlossen. Wirklich?

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