Kommentar

Herzlich willkommen!

Walter Serif über die neue Studie zur Zuwanderung

Natürlich sind Langzeitstudien immer mit Vorsicht zu genießen. Das gilt auch für die Untersuchung der Bertelsmann Stiftung. Wer kann denn heute wissen, wie viele Zuwanderer Deutschland bis 2060 benötigt? Klar ist nur: Seit fast 20 Jahren streiten die Politiker darüber, wie sie die Einwanderung steuern können. Aber erst Ende 2018 hat das Kabinett den Gesetzentwurf beschlossen – und der muss noch durchs Parlament. Das Gesetz muss nicht nur schnell kommen, sondern auch noch nachgebessert werden. Es enthält zu viele Hürden und erweckt nicht gerade den Eindruck, als würde Deutschland um jeden qualifizierten Zuwanderer kämpfen.

Die Unternehmen müssen die Versäumnisse der Politik deshalb ausbaden. Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt, Fachkräfte sind in vielen Branchen Gold wert. Deutschland wird aber seinen Wohlstand als Exportnation nur dann halten können, wenn es in Zukunft gelingt, genügend Zuwanderer anlocken.

In der Debatte wird oft der Eindruck erweckt, dass die Bundesrepublik nur ein funktionierendes Einwanderungsgesetz braucht und sich dann die Arbeitskräfte aussuchen darf. Das könnte sich in der Praxis schnell als Illusion erweisen. Weltweit herrscht bereits ein Wettbewerb um die schlausten Köpfe. Diesen muss man mehr als nur ein gutes Gehalt bieten. Sie müssen sich wohl, ja willkommen fühlen. Sonst bleiben sie einfach weg.